Starlink kann in Deutschland vorbestellt werden. Seglern nützt das vorerst nichts

von Hinnerk Weiler am 09.02.2021 / in Kommunikation

Überall Internet. Das verspricht Elon Musk mit seinem Projekt Starlink. Über 10.000 Testnutzer durften in Nordamerika den neuen Dienst schon ausprobieren. Jetzt rückt die Testphase auch nach Europa: Der Internetprovider nimmt Vorbestellungen aus Deutschland an. Einen genauen Starttermin, wann die Antennen ausgefliefert werden, gibt es aber noch nicht.

Für Segler ist Starlink nur im Heimathafen brauchbar

Das Versprechen, mit dem Netzwerk jeden Winkel der Welt mit Breitband-Internet zu versorgen, hatte in der Vergangenheit auch Youtube-Träume bei Seglern mitten auf dem Atlantik geweckt. Bis das aber soweit ist, wird es noch eine Weile dauern. Derzeit schließt Starlink jedenfalls in seiner FAQ eine nomadische Nutzung selbst an Land konsequent aus. Starlink von Bord bleibt also erstmal ein Traum:

Starlink satellites are scheduled to send internet down to all users within a designated area on the ground. This designated area is referred to as a cell.
Your Starlink is assigned to a single cell. If you move your Starlink outside of its assigned cell, a satellite will not be scheduled to serve your Starlink and you will not receive internet. This is constrained by geometry and is not arbitrary geofencing. (Starlink FAQ)

Hintergrund dafür ist, dass die Starlink-Infrastruktur wissen muss, in welchem Bereich sich eine Station befindet. Ohne diese Koordinaten müsste der gesamte Internetverkehr des ganzen Netzes überall auf der ganzen Welt ständig gesendet werden. So sendet nur ein einzelner Satellit das Signal gezielt zum Boden. So ein Konzept mit Funkzellen gibt es auch beim bekannten Mobilfunk mit LTE oder 5G. Der Wechsel von einer Zelle in die nächste, muss also dem Netzwerk mitgeteilt werden, damit die Daten dann entsprechend ans neue Ziel geschickt werden. So ein Wechsel ist derzeit im Protokoll noch nicht vorgesehen. Darum müssen die Antennen an einem festen Ort bleiben.

Ob das auf schaukelnden Yachten überhaupt irgendwann funktioniert, ist ohnehin fragwürdig: Jeden Winkel eines Planeten mit einem Funksignal abzudecken ist vergleichsweise einfach. Vom Boden aus, die einzelnen Satelliten mit schwankender Antenne bei geringer Sendeleistung anzufunken, ist etwas ganz anderes. Kommt Seegang mit entsprechend schaukelnden Antennen dazu, stellt das entsprechend hohe Anforderungen an die Technik. Ob Elon Musks Starlink dafür überhaupt einen ausreichend großen Markt sieht, um entsprechende Antennen für kleine Yachten herzustellen, bleibt fraglich.

Kurzwellenfunk, bewährte Iridium-Lösungen und Co dürften also noch eine Weile die Grundversorger für Kommunikation auf hoher See bleiben.

1 Kommentar

  • Luna says:

    Schade. Das wäre auch zu schön gewesen. Für mich persönlich ist es jedoch auch nicht notwendig auf hoher See mit dem Internet verbunden zu sein. Ich genieße die Ruhe und das Offline-Sein.