Nordseewoche beerdigt traditionsreiche Edinburghregatta

von Hinnerk Weiler am 17.12.2020 / in Regatta

Regattasegeln ist ja auch so eine Hassliebe von mir. Mein Seglerherz ist sich ganz klar: schnell zu segeln, bedeutet gut zu segeln. Je schneller, desto besser. Kompromisse werden da nur zuliebe des Materials und ggf. der Crew gemacht. – Naja, und, um in Ruhe kochen zu können.

Warum ich andererseits viele Segelveranstaltungen mit Regattacharakter im Grunde unspannend finde? – Weil sie dort beginnen, wo sie enden.
Physisch fehlt mir vielleicht nur ein Gen: Losrasen, um des Rasens willen. Das lässt sich physikalisch vielleicht dadurch erklären, dass so eine Regatta im Kreis keinesfalls mit den Gesetzen der Impulserhaltung in Einklang zu bringen ist. Psychisch macht es letztlich aber auch keinen Sinn: Entweder man will Segeln, dann bitte so lange, wie es eben Spaß macht, oder eben nicht, dann braucht man aber auch gar nicht erst los segeln. Regatten werden spannend, wenn es neben der Herausforderung auf See ein Ziel zu erreichen gibt.

Über 50 Jahre nach Edinburgh

Seit 1968 war die oft extrem anspruchsvolle Helgoland-Edinburgh-Regatta der krönende Abschluss jeder zweiten Nordseewoche auf Helgoland. – Ein Farewell von der Insel, dass nach über 420 Seemeilen im Hafen von Granton, nahe der schottische Hauptstadt Edinburgh zum Welcome wurde.

Dort hat nun der Royal Forth Yacht Club der traditionellen Regatta ein Ende bereitet. Ohne schottischen Partner scheint die Nordseewoche nun ohne Ziel unterwegs. So geht es ab 2021 dementsprechend auf das „HOT – Helgoland Offshore Triangle“:

„Start und Ziel für die neue Langstrecke Helgoland Offshore Triangle ist die Insel Helgoland. Die Bahnlänge in der Nordsee wird zwischen 350 und 400 Seemeilen betragen. Je nach Wind- und Wetterlage wird der Kurs flexibel und interessant gestaltet. Wir werden uns an den erfolgreichen Langstrecken bei den legendären und diversen Admirals-Cup-Ausscheidungen orientieren“, führt Nordseewoche Wettfahrtleiter Albert Schweizer aus.

”Not too exciting”, würde ein Brite jetzt vielleicht sagen. Zumindest hat das Nordseewoche Team damit aber eine weitgehend Pandemie-Resistente Regattalösung gefunden: Keine Häfen, keine Einreiseprobleme.

Das HOT wird weiterhin als Qualifikationsregatta für das Rolex Fastnet Race 2021 dienen. Letzteres ist auch eine Regatta mit Start und Ziel im gleichen Hafen. Dort gibt es aber unterwegs einen schönen Leuchtturm und Felsen zu sehen, um den man einmal herum segeln muss. Bleibt zu hoffen, dass das HOT auch die eine oder andere Sehenswürdigkeit im 200 Meilen Radius um Helgoland findet.

Titelfoto: H.Franck

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