Klimaveränderung vor der Haustür

von Hinnerk Weiler am 11.03.2021 / in Medien

Steigende Meeresspiegel verbinden wir häufig mit Atollen in der Südsee. Dort sind ganze Inseln und Staaten vom Verschwinden bedroht. Vor unserer Haustür ist das Phänomen kaum wahrzunehmen und scheint als Bedrohung daher weit weg zu sein. Das ist aber nicht der Fall, wie die Leiterin des Norddeutschen Küsten- und Klimabüros am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG), Dr. Insa Meinke weiß: Gemeinsam mit ihren Kollegen erforscht sie dort den Klimawandel an der Nord- und Ostsee. Die Auswirkungen haben die Wissenschaftler für Norddeutschland als Küstenregion zusammengestellt und als E-Book (PDF) herausgegeben. Dass Klima-Veränderungen hierzulande längst messbar sind, zeigt sich durch simple Beobachtung der Meeresspiegel.

Nord- und Ostsee Meeresspiegel sind deutlich am Steigen

In den letzten 50 Jahren ist der Meeresspiegel in Cuxhaven durchschnittlich um etwa 15 cm angestiegen. In Travemünde durchschnittlich um etwa 11 cm.

(Quelle: HZG)

Bedrohte Liegeplätze an der Ostsee

Ein weiterer Anstieg gilt in der wissenschaftlich fundierten Forschung inzwischen als gesichert. Aufhalten lässt er sich kaum noch und wird global zu erheblichen Veränderungen führen. Für Norddeutschland ist die Situation dabei weniger dramatisch, als für die Atolle der Südsee, günstige Prognosen erwarten hier aber auch 30 bis 80 Zentimer höhere Wasserstände und pessimistische Berechnungen gehen deutlich weiter.

Langfristig fast ein Meter höhere Pegel an den Küsten

Ist das viel? – Von einem Deich an der Nordsee aus betrachtet scheint selbst ein Meter mehr oder weniger Wasser nicht unmittelbar bedrohlich. Vielleicht sehen wir auch daher lokalen Änderungen gelassener entgegen als beispielsweise auf den Philippinen.

In vielen Medien wird beim Klimawandel der Blick vor allem auf die Auswirkungen durch Extremwetter oder weit entfernte Atolle gelenkt. Sturmfluten und extreme Wasserstände assoziieren wir dabei mit Bildern von der Nordseeküste. Was von einem Nordseedeich fast egal wirkt, ist für die Ostsee-Häfen aber eine wesentliche Veränderung. Dort haben verantwortungsbewusste Städteplaner daher auch längst damit begonnen, Strandpromenaden und Küstenorte baulich behutsam auf das steigende Wasser vorzubereiten: Seit Jahren schon werden Straßen bei Bauarbeiten angehoben, Mauern trennen immer mehr Orte vom Strand und Dünen werden langsam erhöht.

Beim Bau oder der Renovierung von Hafenanlagen muss ebenfalls neu und langfristig gedacht werden: Mit einer Schleuse an der Einfahrt zum Yachthafen Niendorf ist zwar auch in Zukunft nicht zu rechnen, mit höheren Stegen aber schon. Auch ein Umrüsten auf die in Tidenrevieren üblichen Schwimmstege statt fester Installationen ist eine Möglichkeit. Letztere haben dann auch den Vorteil, toleranter auf extreme Wasserstände, beispielsweise bei Sturmfluten zu reagieren. Solche extremen Sturmfluten haben in der Vergangenheit laut den Beobachtungen der Wissenschaftler an der deutschen Ostseeküste übrigens nicht zugenommen. Wohl aber ist das an der Nordseeküste der Fall, wo Sturmfluten immer stärker, höher und häufiger werden, wie die Messungen des Sturmflut-Monitors belegen.

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