Ich hatte Fragen – Zu Corona und Segeln

von Hinnerk Weiler am 10.05.2021 / in Allgemein

Im April hatte ich Fragen zu den Erwartungen an die Segelsaison 2021 auf Facebook in einige Segelgruppen gepostet. Mehr als zweihundert Teilnehmer und Teilnehmerinnen opferten mir 10 Minuten ihrer Zeit und beantworteten die Umfrage. Ein interessantes Erlebnis, dass ich gern zum Anlass nehmen möchte, künftig weitere Umfragen rund ums Segeln zu machen. – Zuerst also mein großes „Danke“ an alle, die hier mitgemacht haben!

Die Teilnehmerzahl ist zwar insgesamt noch etwas zu niedrig, um wirklich repräsentative Aussagen für die deutschsprachige Segelszene zu treffen, für Tendenzen eignen sie sich jedoch bereits. Zumal sich Geschlechterverteilung und Altersschnitt mit den Auswertungen der betrachteten segelrelevanten Facebook Gruppen decken.

Der erste Teil der Auswertung befasst sich mit den Erwartungen an die Saison und der generellen Coronalage in den Häfen. Um es vorweg zu nehmen: beides ist zumindest für nicht gewerbliches Segeln eher positiv.

Wenig Coronasorgen

Die Pandemie beeinflusst in der ersten Hälfte des Jahres natürlich auch die Erwartungen an eine Segelsaison 2021. Das Risiko beim Hobby Segeln wird allerdings insgesamt von den Seglern gering angesehen. Wohlbemerkt in einer Situation Ende März/April, in der eine schleppende Entwicklung der Impfungen, allgemeine Corona-Müdigkeit und starke Ausbreitung aggressiverer Mutationen die medienbeherrschenden Themen waren. Die Aussichten auf Rücknahmen von Schutzmaßnahmen waren zum Umfragezeitpunkt also eher nicht unmittelbar abzusehen. Diese Situation hat sich inzwischen leicht geändert.

Auffällig war in der Umfrage, dass Personen, die nach eigener Auskunft bereits geimpft sind, kaum nachprüfbar Unterschiedlich zu den noch nicht geimpften antworteten. Für die Bewertung der Ansteckungsrisiken wurde dennoch die Untergruppe der bereits geimpften Teilnehmer vorerst ausgeklammert:

Kontrollierbares Ansteckungsrisiko im Hafen

Marinas tun genug, um ihren Gästen ein sicheres Liegen zu ermöglichen, finden rund 70 Prozent der nicht geimpften Teilnehmer.Große Zufriedenheit bei der Frage, ob Marinas ausreichend unternehmen

Ein größeres, aber insgesamt betrachtet auch noch geringes, Ansteckungsrisiko sehen die Teilnehmer der Umfrage auch nicht im Hafen, sondern beim Einkauf für den Törn. Mehr als 15 Prozent gaben an, das Ansteckungsrisiko dabei hoch einzuschätzen. Ihnen stehen 25 Prozent gegenüber, die dort gar kein Risiko sehen und eine deutliche Mehrheit von 60 Prozent, die lediglich ein geringes Ansteckungsrisiko beim Einkauf erwarten.

Ähnlich fällt die Einschätzung im Hafen selbst aus. Rund 70 Prozent der Teilnehmer schätzen die Bemühungen in Marinas als ausreichend ein. Dennoch sieht nur etwa ein Drittel der Befragten bei der Benutzung von Sanitäranlagen keine Gefahr für sich selbst. Fast 20 Prozent gaben an, ein großes oder sehr großes Ansteckungspotential dort zu sehen. Kaum Gefahr erwarten die Segler jedoch von Begegnungen auf Stegen oder von ihren Nachbarliegern.

Es ist daher anzunehmen, dass Segeln von den meisten Befragten als weitgehend sichere Aktivität angesehen wird. Entsprechend scheinen trotz der anhaltenden Einschränkungen im öffentlichen Leben auch nur geringe Einschränkungen in der Ausübung des Segelns erwartet zu werden. Eine deutliche Mehrheit lehnt zudem die Reduzierung der Mobilität auf dem Wasser durch Übernachtungsverbote in anderen Häfen klar ab.

Ein Großer Teil der Befragten gibt auch für 2021 an, Segelreisen ins Ausland (Anderes Land, als der Liegeplatz des Bootes) für den Sommer geplant zu haben. Es besteht also große Zuversicht, dass Einreisen in diese Länder bis zum Sommer auch möglich sind.

In dem Zusammenhang ist es aber relevant, die geografische Verteilung der Befragten zu betrachten: Hier liegt bei den Teilnehmern ein deutlicher Schwerpunkt im Bereich der Deutschen Ostseeküste. Dänemark und Schweden sind dort traditionelle Hausreviere und schnell zu erreichen.

Segelgewohnheiten unter Corona

Zumindest, wenn es sich um privates Segeln handelt, scheinen die Saisonaussichten und Erwartungen an das Jahr 2021 wenig getrübt.

Gefragt wurde aber auch nach den Erwartungen an die Saison 2021 im Vergleich mit den vergangenen Jahren. Dabei sollten Tage an Bord in verschiedenen Rollen geschätzt werden: Gefragt wurde, wie viele Tage jemand als Skipper, als Mitsegler bei Freunden, als Chartergast oder auf Ausbildungstörns als Schüler verbringt.

Auffällig ist, dass ein Teil derer, die sonst als Skipper unterwegs sind, in diesem Jahr überhaupt nicht erwartet, segeln zu gehen. Dies ist vermutlich die Gruppe der Charterer, die 2021 überhaupt nicht erwarten, ein Boot zu chartern. Diese Veränderung wurde jedoch nicht explizit hinterfragt und lässt sich auch nicht aus den Daten klar ersehen.

Eigentum wird genutzt, schlechtere Aussichten für Charter und Ausbildungstörns

Wenn dem so ist, lässt das jedoch eine deutliche Zurückhaltung bei der Bereitschaft vermuten, zu chartern. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch Bare Boat Charterer das Segeln, wie oben beschrieben, als sicher empfinden. Dann werden die Gründe für die Zurückhaltung vermutlich eher in den finanziellen Risiken durch unvorhersehbare Reisebeschränkungen, Quarantänepflichten und durch eine generell schwierigere Anreise liegen.

Die gleiche Zurückhaltung lässt sich im gesamten kommerziellen Mitseglbereich beobachten. Über 50 Prozent der Befragten gaben an, 2021 bewusst auf Mitsegelaktivitäten, wie Kojencharter oder Ausbildungstörns zu verzichten. Hierfür liegen die Gründe neben den oben beschriebenen, vermutlich aber auch an den unbekannten übrigen Crewmitgliedern, mit denen auf engstem Raum gelebt werden muss.

Denn gleichzeitig gaben 80 Prozent der Befragten an, mit Freunden und Verwandte segeln zu wollen, sofern diese sich selbst als gesund einstufen. Unterm Stich erwarten aber Personen, die sonst eher Mitsegler sind, in diesem Jahr weniger zu segeln. – Die kommerziellen Anbieter von Törns scheinen also von der sonst eher positiven Grundstimmung vorerst weniger zu profitieren.

Keine Veränderung bei den Gewohnheiten gab es im Bereich derer, die gewöhnlich sehr lange oder gar ganzjährig an Bord leben. Diese Zahl ist auch in diesem Jahr konstant.

Positive Erwartungen mit Einschränkungen als Fazit

Corona betrifft zumindest in den befragten Segelgruppen also vor allem die kommerziellen Anbieter von Segelreisen. Private Törns werden hingegen auch 2021 weitgehend unverändert geplant. Die Risiken sehen Segler dabei wenig in segelspezifischen Aktivitäten, sondern eher außerhalb von Hafen und Boot.

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