Das mit der Backskiste war eine Schnapsidee

von Hinnerk Weiler am 24.07.2022 / in Allgemein

Beim ersten Besuch in diesem Jahr dauerte es eine Weile, die „Sirius“ zwischen all den Yachten im Winterlager zu finden. „Einwassern kurz vor Ostern!“, stand auf einem Zettel am Bug. Stattdessen steht sie inzwischen recht allein in der riesigen Bootshalle. Es ist Ende Juli und die Notiz habe ich beim letzten Besuch auf Fehmarn entfernt.

Der Plan war doch gar nicht so kühn: Eine undichte Stopfbuchse und zwei Seeventile tauschen. Zehn Tage Zeit waren dafür genommen und dann sollte es kurze Zeit später mit Kurs Schweden wieder losgehen. 

Einfache Pläne sind tückisch

Meist sind einfache Pläne nur dadurch einfach, dass Unsicherheiten und Details großzügig übergangen werden. Das gilt erst recht, wenn ein Faktor Boot im Spiel ist. Hier fing alles mit einer festgerosteten Schraube der Wellenkupplung an. 

Ebenso ungewiss ist aber der Faktor Mensch. Hier in Form eines aufkommenden Grippegefühls schon am ersten Tag bei den Arbeiten im Frühling. Ich war mir sicher: „Nur, weil Du es nicht mehr gewohnt bist, in einer kalten Backskiste zu liegen und auf einen Schraubschlüssel zu hämmern“. – Statt einer Woche arbeitete ich nur einen Tag und fuhr dann schniefend und fiebrig heim. Fast drei Wochen verkroch ich mich dort ins Bett, das Frühlings-Fenster und der Krantermin zu Ostern waren passé.

Überhaupt war das mit der Backskiste eine Schnapsidee: Dem Rücken ging es schon vorher nicht gut und danach auch nicht besser. Die erste Hälfte Sommer führte zum MRT statt nach Visby, durch eine lange Physiotherapie statt entlang des Göta-Kanals und zu jeder Menge Ibuprofen statt Köttbullar.

Outsourcing – keine blöde Sache

Anders als den Rücken, kann man das Instandsetzen eines Bootes zum Glück outsourcen. Das hat den Vorteil, dass jemand eine Weile ohne rosarote Brille auf die festsitzende Wellenkupplung einhämmert und dann Punkte aus der „Da muss man sich auch mal irgendwann drum Kümmern“-Kategorie anspricht: „Soll die neue Stopfbuchse länger als eine halbe Saison halten?“, ist so einer. 

Ja, das Wellenlager fühlte sich beim Drehen mit der Hand im Herbst schon etwas unrund an, was einen Teil der unangenehmen Vibrationen bei Fahrt unter Motor erklärte. Beim Herausziehen der Welle zeigen sich entsprechend tiefe Riefen an den Lagern. Natürlich wirkt es sich 2022 auch auf den Preis einer neuen Propellerwelle aus, wenn das Asow-Stahlwerk in der Ukraine gerade heiß umkämpft wird … 

Kurzum: Die Welle war eingelaufen, weil der Motor nicht mehr richtig saß, neue Fundamente sind inzwischen eingebaut, die Welle ist getauscht, die Lager sind neu, die Stopfbuchse ist auch neu, ebenso die Seeventile. Auch das vollkommen unzugängliche Ventil der Motorkühlung sitzt jetzt vor dem Motor und natürlich wartet die einzig geplante Investition größeren Ausmaßes auf Abholung: die neue Genua!

Wenn ich mich recht erinnere, schrieb Jan Kuffel im Vorwort von „Fit fürs Refit“ Anfang der 2000er Jahre in etwa: „Nicht jedes Boot mit einem niedrigen Preis ist ein Schnäppchen“. Sofern ich ihm da jetzt kein falsches Zitat unterstelle, soll er damit auch 2022 recht behalten. 

Krantermin ist kommenden Freitag (29.7.2022) und falls jemand da am Nachmittag noch nichts vor hat, freue ich mich natürlich über helfende Hände beim Aufriggen. Sicher finden wir noch neue Baustellen.

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