Das Gedser-Menü

von Hinnerk Weiler am 27.05.2021 / in Ostsee

Eine meiner ersten Segelreisen überhaupt. Ein Böötchen. So eines, wo man heute davor steht, und sich an die ersten Törns auf eigenem Kiel erinnert:

So hat alles angefangen. Damals war segeln einfach, die Technik war minimal, der Aufwand auch, nur der Spaß war bereits grenzenlos.

Über dem Cockpit hielt ein, zum Zelt gespanntes, Segel den Regen ab. Darunter stand ein wackeliger Campingkocher mit einem nicht minder wackeligen Topf darauf. Gelegentlich jagte eine Böe über den Hafen, Fallen klapperten. Herbstwetter Anfang Juni. – Eine Hand hielt den Topf, die andere den Kocher, während das Boot in die Festmacher ruckte.

Gedser war kein Ort für so ein Wetter. Trostlos, keine Menschenseele war zu sehen. Der kleine Laden am Fischereihafen blieb an diesen Tagen die einzige Attraktion in den kurzen Regenpausen. Zu erreichen war er am schnellsten über einen schmalen Pfad, der sich quer über einen weitgehend verlassenen Güterbahnhof wund.

Das Abendessen sollte an diesem Tag für den Rest meines Seglerlebens zum Begleiter werden: Gedser-Menü nenne ich es seit dem und wenn es draußen ungemütlich ist, erinnere ich mich damit an diese ersten Schläge und die Sumpfkuh.

Anleitung für das Gedser Menü auf nur einer Flamme:

  • Bandnudeln in sehr salzigem Wasser kochen.
  • Wasser abgießen. Zwiebeln und eine kleingeschnittene rote Paprika unter die Nudeln mischen. Dann alles kurz in dem Topf anbraten.
  • Nach Belieben grünes Pesto dazugeben und unterrühren, bis alles gemeinsam erwärmt ist.

Dazu gibt es – es ist Dänemark – entweder grüne „Sport“- oder rote „Hindbær“-Brause

Erfahrene Köche ahnen es: Das Gedser-Menü fügt sich geschmacklich wunderbar in jede trostlose Umgebung und, den (damals einzigen) Topf anschließend von angebrannten Nudelresten zu befreien, hielt während des Nachmittags warm und beschäftigt.

PS: Diese Geschichte ist gute 20 Jahre her. Es gab damals kein Instagram und auch keine Smartphones. Man Fotografierte sein Essen nicht. – Ich reiche ein Bild nach, wenn ich das nächste Mal in Gedser koche.

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