Baut bitte Bojenfelder an der Ostsee

von Hinnerk Weiler am 22.04.2021 / in Ostsee

Liegeplätze an der Ostsee sind rar. Mit Corona ist auch eine neue Realität ins Bewusstsein vieler Yachtbesitzer gelangt: Ländergrenzen sind nicht nur gestrichelte Linien auf der Landkarte. Grenzen können den Zugang zum eigenen Schiff erschweren oder gar unmöglich machen.

Der Saisonbeginn 2021 hat daher vielen deutschen Yachten einen neuen Heimathafen beschert: Statt in Dänemark drängeln die sich nun entlang der deutschen Küste von Flensburg bis ins Stettiner Haff. Hier reicht der Platz aber nicht aus: Lange Wartelisten sind in vielen beliebten Ostseemarinas dieses Jahr Realität.

Wenig Platz mit Landzugang ist für Norddeutschland ein weiteres Problem. Allerdings eines, das man anderswo schon vor hundert Jahren erfolgreich gelöst hat. Der Blick nach Westen zeigt: In den seefahrtaffinen Nationen Großbritannien oder nach Frankreich beispielsweise. Dort gehören Bojenfelder zum maritimen Alltag.

Viele Stellen an der Ostsee sind perfekt für Bojenfelder geeigent

Die deutsche Ostseeküste bietet dafür ideale Reviere. Zahlreiche Bojenfelder könnten unkompliziert in der Nähe von Marinas errichtet werden. Der Aufwand ist gering:

Betonklotz, Kette, Boje. – Fertig.

Anbieten würden sich dafür nicht nur: der Großenbroder Binnensee, die Bucht vor Heiligenhafen, in der Pötenitzer Wiek, die Kieler Förde, entlang der Schlei, vor Flensburg. Die Liste gut geeigneter Stellen ist lang. Umso verwunderlicher ist es, dass die Betreiber von Marinas nicht längst die Initiative ergriffen haben, Dingidocks bauen und Bojen auslegen. An der Ostsee scheint das Liegen am Steg die einzig existierende Lösung zu sein.

Mooringfelder müssten dabei nicht mal groß sein und würden trotzdem das Problem sehr schnell und auch nachhaltig lösen. Gleichzeitig schaffen sie auch künftig eine attraktive alternative Liegemöglichkeit für Yachten an der deutschen Ostseeküste.

Ganz abgesehen davon bieten Bojenfelder nicht nur einen Hauch von Ankerfeeling: Wer bei anhaltender Pandemie nicht mal mehr den Hafen verlassen kann, weil nirgendwo festgemacht werden darf, könnten Gast-Bojen das Reisen unter Segeln wieder möglich machen. – Kontaktloser kann man nur am eigenen Anker irgendwo übernachten, Check-ins und Tagespreise für freie Bojen lassen sich bequem per Smartphone abrechnen.

Vor allem sind Bojenfelder aber auch für die Betreiber im Unterhalt deutlich günstiger als teure Steganlagen und können die Ostsee als Revier attraktiver machen.

Karte mit möglichen Bojenfeldern entlang der Ostsee

Wenn jede Boje in dieser Karte nur 20 Moorings darstellt, entsteht Platz über über 600 Yachten. Karte: Hinnerk Weiler

 

2 Kommentare

  • J. Rosemann says:

    Sehr gute Idee. Frage mich, warum dass noch nicht angekommen ist. Wir sind seit 4 Jahren mit Liegeplatz in der Süd Bretagne, dort sind Bojenfeldet für Ganz Jahrslieger die Regel. Voraussetzung dafür ist natürlich ein Dingi Dock oder wie in unserer Marina in Arzal in der Vilaine Mündung ein Zusätzlicher Taxi Service der Marina.

  • Christian Irrgang says:

    Ja, warum machen eigentlich nicht? Gute Frage! Mal sehen, was da für Gründe genannt werden